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DRK Ortsverein Fuldatal-Ihringhausen
Niedervellmarsche Straße 27a
34233 Fuldatal
(Feuerwehrhaus)

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Reise zur Ostsee – ein besonderer Krankentransport

Hinten von links: Notarzt Helge Ritter, Ariane Grap, Jacobus Peupelmann, Sascha Reetz
Vorne von links: Stefan Heinemann, Henri Heinemann, Maria Langstroff, Oliver Strich, Elena Gaad
Bild: Marie Lisa Schulz

Nach wochenlangen Vorbereitungen starteten am Samstag, 26.10.2013, gegen 06:00 Uhr, von der Gemeinschaftsunterkunft der Freiwilligen Feuerwehr und des DRK in Fuldatal-Ihringshausen ein Rettungswagen (RTW) des KV Kassel-Wolfhagen und der Mannschaftstransportwagen (MTW) des OV Fuldatal-Ihringshausen in Richtung Gießen bzw. Schwalmstadt. Eine Reise zur Ostsee – ein Krankentransport der besonderen Art stand bevor.

In einer Fernsehreportage hatten wir vom Wunsch der schwerstkranken Maria Langstroff erfahren. Sie will noch einmal das Meer sehen. Wir wollten ihr diesen Wunsch erfüllen. Zwei Helfer kennen Maria persönlich aus Kindertagen,  die anderen nur aus den Medien. Für alle stand fest: „Wir packen an.“

Wir, das war ein fest entschlossenes Team aus verschiedenen Organisationen zusammen gewürfelt:

  • Ariane Grap - Krankenschwester aus Gießen
  • Elena Gaad - Krankenschwester aus Gießen
  • Helge Ritter - Notarzt aus dem Klinikum Kassel
  • Stefan Heinemann - Feuerwehr Fuldatal
  • Jacobus Peupelmann - Feuerwehr Fuldatal
  • Sascha Reetz - DRK-OV Vellmar
  • Oliver Strich - DRK-OV Fuldatal-Ihringshausen
  • Henri Heinemann - DRK-OV Fuldatal-Ihringshausen

Maria leidet an einer unheilbaren Muskelerkrankung, die unweigerlich zum Tode führt. Seit vier Jahren ist sie in einem Pflegeheim zu Hause. Ans Bett gefesselt, halsabwärts gelähmt mit Ausnahme des  rechten Armes, von ­epilepsieartigen Krampfanfällen geschüttelt, unter chronischen Schmerzen leidend. Jede Abweichung vom Alltag ist für die 27-Jährige lebensgefährlich. Trotz ihrer schweren Erkrankung hat Maria zwei Bücher veröffentlicht und ein Hörbuch eingelesen. Auch ihr Lehramtsstudium hat sie nicht ruhen lassen.

Der RTW, vollgeladen mit intensivmedizinischer Zusatzausrüstung, holte Maria in Gießen ab. Der MTW nahm in Schwalmstadt die Familie (Eltern, Bruder, Schwägerin), eine der beiden Krankenschwestern und die Redakteurin einer Tageszeitung auf. An der Rastanlage Hasselberg traf man sich, um gemeinsam nach Timmendorfer Strand zu fahren.

Im Inneren des Rettungswagens war es nahezu dunkel. Die Fenster des RTW wurden mit einer Folie abgeklebt. Starke Außenreize wie etwa Licht oder Lärm lösen bei der 27-Jährigen immer wieder Krampfanfälle aus - mehrmals musste Notarzt Helge Ritter Medikamente spritzen. Er gönnte ihrem Körper eine künstliche Pause.

Nach acht Stunden Fahrzeit und über 500 km Fahrstrecke erreichten wir Timmendorfer Strand. Die Sonne ging schon langsam unter, als wir endlich einen Parkplatz mit Meerblick erreichten. Dann wurde Maria ausgeladen und zum Strand getragen, voller Erschöpfung, voller Erleichterung, voller Unglaube. Da war es also: das Meer.

Tränen rollten über ihre Wangen und sie lächelte. Dieses Lächeln war die Belohnung für alle, die Maria begleiten durften.

Nach mehr als zwei Stunden verließen wir das Meer in Richtung Hamburg. Dort übernachteten wir in einem speziellen Hotel mit Pflegeeinrichtung.

Gegen 11:00 Uhr am folgenden Morgen traten wir die Heimreise an. Wieder musste Notarzt Ritter Medikamente einsetzen, um Krampfanfälle zu durchbrechen. Ansonsten verlief die Rückfahrt ohne größere Probleme. Gegen 23:30 Uhr waren wir erschöpft  wieder zuhause.

Zum Abschluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass uns sowohl der RTW (KV Kassel-Wolfhagen) als auch der MTW (OV Fuldatal-Ihringshausen) kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Weiterhin hat der KV Kassel-Land die Hotelkosten für zwei Helfer übernommen. Alle beteiligten Personen haben selbstverständlich unentgeltlich mitgearbeitet.

Das SAT.1 Frühstücksfernsehen hat uns auf dieser Reise begleitet. Das Video können Sie hier anschauen.

Bild: Marie Lisa Schulz